Feichteck-Expedition – von Mühlsteinen, Moorwegen und See-Romantik
Es gibt Touren, die sportlich sind. Und es gibt Touren, bei denen man sich unterwegs mehrfach fragt, ob man eigentlich eine Mountainbike-Runde oder eine bayerische Kulturdokumentation gebucht hat.
Los geht’s in Neubeuern. Der Ort wirkt so idyllisch, dass man versucht ist, erst einmal gemütlich einen Kaffee zu trinken und die Tour auf „morgen bei besserer Form“ zu verschieben.
Doch wir rollen los – direkt Richtung Mühlsteinbruch Hinterhör. Hier wurden früher tonnenschwere Mühlsteine aus dem Fels geholt. Spätestens beim Blick auf die alten Steinblöcke wird klar: Unsere E-Bikes sind im Vergleich dazu ein erschreckend komfortabler Fortschritt der Menschheit.
Weiter geht’s hinauf zur Aussichtskapelle Obereck mit der berühmten Luitpoldeiche. Das ist der Moment für das Titelbild: Kapelle, uralte Eiche, Panorama und eine Gruppe Mountainbiker, die plötzlich so tut, als wäre sie wegen der Kultur hier und nicht wegen der Kalorienverbrennung.
Danach folgen die herrlichen Wege durch die Samerberger Filze. Moorlandschaft, kleine Waldpfade, Wiesen und ständig dieses Gefühl, dass hinter der nächsten Kurve entweder ein Bilderbuchmotiv oder ein besonders hinterhältiger Gegenanstieg wartet. Die Filze sind quasi die bayerische Version eines Überraschungseis – nur mit mehr Mücken und weniger Schokolade.
Irgendwann taucht sie auf: die Auffahrt zur Feichteckalm.
Der Weg zieht sich angenehm-unangenehm bergauf. Genau steil genug, um die Oberschenkel zu beschäftigen, aber nicht steil genug, um überzeugend schieben zu können. Jeder hofft heimlich auf einen technischen Defekt, der als sozial akzeptierte Pause durchgehen würde.
Oben angekommen stellt sich sofort das bekannte Phänomen ein: Kaum sitzt man auf der Alm, behaupten alle, der Anstieg sei „eigentlich ganz gut zu fahren gewesen“. Das menschliche Gehirn löscht Schmerzen offenbar schneller als GPX-Dateien gespeichert werden.
Doch die Tour ist noch nicht fertig. Es geht weiter auf den Dandlberg. Dieser Abschnitt fühlt sich ein wenig an wie die Zugabe bei einem Konzert: Man dachte, der Hauptteil sei vorbei, und plötzlich heißt es noch einmal „nur ein kleiner Anstieg“.
Die Belohnung folgt zum Schluss in perfekter bayerischer Dramaturgie: Valuga am See.
Offiziell ein Kiosk. Praktisch das alpine Forschungszentrum für Regenerationsgetränke, Eis, Kuchen und alles, was ein erschöpfter Mountainbiker unter „aktive Erholung“ versteht. Der Blick auf den See sorgt dafür, dass selbst die letzten Höhenmeter plötzlich wie eine großartige Lebensentscheidung wirken.
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Oder in der Kurzfassung:
Erst Kultur. Dann Moor. Dann Alm. Dann Kiosk. 🚵♂️🌲🏔️🍺😄
Distanz: 46,7 km
Höhenmeter: 1.430 hm
Höchster Punkt: 1.394 m
Tiefster Punkt: 452 m
Maximale Steigung: 21,0 % auf einem ca. 20–30 m langen Schotterabschnitt
Steilste Abfahrt: 21 % über 50 m S1+
Längster Hauptanstieg: 11,5 km · 766 hm am Stück
Anstiegsdichte: 34 hm/km Schwierigkeitsindex:
Kondition: ★★★★★
Technik: ★★★☆☆
Gesamtbelastung: ★★★★★
Bike-Eignung: E-Bike: ✅ sehr gut geeignet Bio-Bike: ⚠ nur für sehr gute Kondition